Buchempfehlung und Gedanken zum Tode von Joao Gilberto

07. Januar 2020

Ich weiß ja nicht, wie es Ihnen geht, aber ich muss zu meiner Schande gestehen, dass ich den Namen João Gilberto nicht kannte, als mir ein Schüler das Buch „ Hobalala: auf der Suche nach João Gilberto“(erschienen 2011 bei Rogner& Bernhard) in die Hand drückte.

Wie ich mittlerweile gelernt habe, handelt es sich um den Erfinder oder zumindest Miterfinder der Bossa Nova, einer in Brasilien Ende der 50er Jahre auf der Basis der Samba neu entstandenen Stilrichtung der Popular- Musik, welche brasilianische Rhythmik, aus dem Jazz stammende Harmonik und elegische, am besten portugiesisch gesungene Alltagslyrik miteinander verbindet. Eines der berühmtesten Lieder im Stile dieser neuen Musik ist „The Girl from Ipanema“, von Gilberto nicht erfunden, aber von ihm und seiner Frau Astrud stilbildend interpretiert.

Vordergründig wird in dem oben erwähnten Buch die Geschichte erzählt von der Suche eines Schriftstellers und seiner Gehilfin, Watson, nach einem Künstler, der sich beim ewigen Streben nach künstlerischer Perfektion und einigen Enttäuschungen im Leben von der Öffentlichkeit zurückgezogen hat und sich nur noch, von gelegentlichen Treffen mit seinen engsten Freunden und seiner Familie abgesehen, mit seiner Musik, seinem Gesang und dem Gitarrenspiel beschäftigt. Seine seltenen Konzerte und Auftritte wurden so zu kostbaren Ereignissen, die er, wenn er sich von seinem Publikum nicht genügend geschätzt fühlte, auch schon mal abrupt beenden konnte. „Sie mochten es nicht.“ genügte ihm hierfür als Begründung.

Schaut man etwas hinter die Handlung, so ist das eigentliche Thema des Buches vielleicht die unerfüllte Sehnsucht. Die Sehnsucht des Autors nach einer Story und einem Treffen mit seinem Idol, die Sehnsucht des Künstlers nach Vollkommenheit seines Werkes und dessen Interpretation sowie die Suche und Sehnsucht des Publikums nach Zuwendung und Nähe durch den Künstler.

Ein weiterer Aspekt, nur im Hintergrund mitschwingend, für mich aber am faszinierendsten, ist die tiefe Verbundenheit, die unauflösliche Gemeinschaft des Künstlers mit seinem Instrument, der Gitarre. Ohne diese ist seine Musik nicht denkbar und nur mit ihr und seinem Gesang kann er seiner Kunst Ausdruck verleihen. Sie ist es auch, die er niemals verlässt, die auch ihm treu ist und ihm auch in seiner selbst gewählten Einsamkeit ständige Begleiterin bleibt. Die vielleicht einzige feste Beziehung in seinem Leben, tragfähiger als alle Beziehungen zu den Menschen seiner Umgebung.

Sollten auch Sie so eine Beziehung fürs Leben suchen, eine Beziehung zur Gitarre, vielleicht etwas weniger dramatisch als von mir oben geschildert, so melden Sie sich ruhig bei mir. Ich kann Sie miteinander bekannt machen und dabei helfen, dass es zu einem harmonischen ersten Zusammentreffen kommt.

Wenn Sie auf meiner Website in der Rubrik GEDANKEN nachschauen finden sie im ARCHIV übrigens noch weitere Hinweise auf interessante Bücher, die die Themen Gitarre und Musik zum Inhalt haben und die ich Ihnen in kleinen Beiträgen dort vorstelle.

https://www.youtube.com/watch?v=j8VPmtyLqSY

https://www.youtube.com/watch?v=eKy6NJO8GPQ