Die Elbphilharmonie und andere Urlaubserinnerungen und -gedanken

04. September 2016

Die Urlaubszeit geht allmählich zu Ende. Die Schulferien sind vorbei und der Arbeitsalltag ist bei den meisten wieder eingekehrt.

Für mich bedeutet dieser, regelmäßig zu unterrichten. So wie ich wird mancher wieder gerne in diesen Alltag, Büro, Werkstatt, Geschäft, Schule oder Uni zurückkehren, andere mit gemischten Gefühlen. Denn der Arbeits- oder Schulalltag bedeutet ja auch Zeitdruck, Anstrengung und manchmal auch Enttäuschung. Umso wichtiger werden nun die mit Freuden gefüllten Freiräume, die wir uns in der Arbeitswoche selber schaffen müssen. Treffen und Gespräche mit Bekannten und Freunden, das regelmäßige Training im Sportverein oder Fitnesscenter, der Tanzkurs, die Chorprobe, der wöchentliche Musikunterricht mit gemeinsamem Musizieren und neuen Anregungen für die eigenständige Beschäftigung mit Musik gehören dazu.

Während meiner Urlaubsreise mit Aufenthalten in Osnabrück, mit geschichtsträchtiger Altstadt, Lübeck, mit mittelalterlichem Gängeviertel, List auf Sylt, mit hinreißender Dünenlandschaft und frei laufenden Schafen und einer Nordsee, die uns lehrt, welche Bedeutung das Wort „Naturgewalten“ hat, machte ich auch zweimal Station in Hamburg.

Weil es sich dabei um meine Geburtsstadt handelt, gebe ich zu, dass meine Begeisterung nicht ganz unvoreingenommen ist. Tatsache ist aber: Hamburg entwickelt sich ständig weiter, erfindet sich immer wieder neu, ohne die große Tradition zu vergessen. Für mich hielt Hamburg die aus dem alten Zollhafen erwachsene, neue „Hafencity“ als Überraschung bereit. Ein völlig neues Stadtviertel, welches futuristische, moderne Bauten und die wunderschöne alte Speicherstadt mit malerischen Blicken auf den Hafen und die Elbe verbindet. Als Blickfang und neues Wahrzeichen der Stadt thront hier die in jedem Detail beeindruckende „Elbphilharmonie“ auf dem Fundament des alten „ Kaiserspeichers A“ und lässt sich schon jetzt, noch nicht ganz fertig, von den Besuchern bestaunen. Dass an dem Bauwerk sechs Jahre länger als geplant gearbeitet wurde, und es mit Kosten um die 790 Millionen Euro um ein Mehrfaches teurer geworden ist als geplant, konnte jeder den Medien entnehmen. Ohne dies entschuldigen zu wollen, muss ich doch sagen, dass am Ende etwas Großes, Einmaliges und bleibend Beeindruckendes entstanden ist: 120.000 Quadratmeter für drei Konzertsäle, einer davon mit 2100 Plätzen, einem Hotel, Restaurants und 45 Eigentumswohnungen. Jährlich werden hier 200 bis 250 Konzerte von höchster Qualität stattfinden und Tausende von Zuhörern werden diese genießen können. Sie werden damit die Freiräume, die sie in ihr Arbeitsleben eingeplant haben, mit musikalischen Erlebnissen füllen können und die Erinnerung daran in ihren Alltag mitnehmen.

An dieser Stelle kommt bei mir der Gedanke auf, ob diese tausendfache Freude und diese tausendfachen glücklichen Momente die genannten unglaublichen Kosten, im Nachhinein betrachtet, nicht doch wert sind. Mancher der mit Musik „infizierten“ Hörer wird vielleicht auch den Versuch wagen, egal in welchem Alter, selbst zu einem Instrument zu greifen, um dieses zu erlernen. Sollte dieser zur Gitarre greifen wollen und im Raum Saarbrücken wohnen, so wird er sich möglicherweise zu mir nach St. Arnual in den Unterricht „ verirren“. Hier können wir uns zusammen von der Kunst anstecken lassen. Die Kosten hierfür halten sich übrigens im Vergleich mit denen der Elbphilharmonie in bescheidenem Rahmen.

Ich jedenfalls freue mich auf ein erstes Zusammentreffen.

Peter- Chr Reimers