Erste Buchempfehlung: Erik Orsenna: Eine Geschichte der Welt in 9 Gitarren

27. Mai 2016

Da der Sommer und damit die Urlaubszeit vor der Tür stehen möchte ich Sie heute auf ein Buch hinweisen, welches mich schon lange begleitet, das ich immer wieder gerne zur Hand nehme und das ich für eine amüsante und interessante Urlaubslektüre halte.

Fachbücher über die Gitarre, für den Liebhaber des Instrumentes und seiner Musik eher mühsam zu lesen, gibt es viele. Bücher, die das Wesen, den Zauber der Gitarre in den Mittelpunkt stellen, nur wenige.

Erik Orsenna gelingt das Kunststück, den Leser in unterhaltender Weise und einer poetischen Sprache mit der Geschichte des Instrumentes und einer Reihe von wichtigen Persönlichkeiten, die für das Instrument und seine Musik von herausragender Bedeutung sind, bekannt zu machen.

Seine 1996 zum ersten Mal erschienene Erzählung „Eine Geschichte der Welt in neun Gitarren“ beginnt mit einer Vorrede, in der deutlich wird, wie der Autor seine profunde Sachkenntnis erworben hat. Sein Bruder, Musikliebhaber und ambitionierter Hobbygitarrist, steckt ihn mit seiner Begeisterung an, ohne dass Orsenna deswegen selbst zum Instrument greift. Hier zeigt er sich als echter Genießer, der das Schöne schätzt, ohne den Wunsch zu verspüren, sich selbst damit zu befassen. Nicht jeder, der gerne gut isst, muss auch gut kochen können. Es reicht, wenn man den guten Koch und seine Arbeit zu schätzen weiß.

Für mich ist in diesem Zusammenhang besonders interessant, dass der Gitarrenlehrer von Orsennas Bruder Thierry der argentinische Komponist und Gitarrist Raul Maldonaro gewesen ist, den ich selbst in LEBACH! im Saarland anlässlich der „ Gitarrentage für Kinder und Jugendliche“ kennenlernen durfte. So klein scheint die Welt der Gitarre. Maldonaros Kompositionen seien bei dieser Gelegenheit jedem Gitarrenspieler der Mittel- und Oberstufe herzlich empfohlen. Es handelt sich um originale, südamerikanische, moderne Musik von hoher Qualität.

Orsennas Geschichten sind in eine Rahmenhandlung eingebettet, in der ein alter Gitarrenbauer und ein junger Mann, der stellvertretend für den Leser die Welten der Gitarre entdeckt, die Hauptpersonen sind. Die außergewöhnliche Figur des Instrumentenbauers wird herrlich gezeichnet und erinnert mich ein wenig an den noch nicht lange verstorbenen Geigen- und Gitarrenbauer Taieb Tebbi, dessen Frau Luzia sein Geschäft in der Saarbrücker Bismarckstraße 1 weiterführt, und mit dem mich eine lange Bekanntschaft und später auch Freundschaft verband. Beide Instrumentenbauer, den fiktiven und den realen, einen die Leidenschaft und wirkliche Berufung für ihr Handwerk sowie ein tiefes Verständnis für das Menschliche in der Musik und den Musikinstrumenten als auch für das Musikalische im Menschen; zwei Handwerker mit dem Vermögen zu philosophischen Betrachtungen. Wenn ich hier weiterdenke, komme ich zu dem Schluss, dass in diesem, der Kunst verpflichteten Handwerk etwas anderes vielleicht auch gar nicht möglich ist, denn das Ergebnis der Arbeit soll ein hervorragendes Instrument für hervorragende Künstler sein und ohne das Nachdenken über den Musiker und seine Kunst ist dieses Ziel wohl gar nicht zu erreichen.

In der Geschichte nähert sich der junge Mannn, angeregt durch den Handwerker, der Gitarre, beginnt das Spiel des Instrumentes zu erlernen und beschäftigt sich so intensiv mit diesem, dass es beginnt, seine Träume zu füllen. Diese Traumgeschichten sind dann auch die eigentlichen Ausflüge in die Historie und die Seele der Gitarre und ihrer Spieler und Helden.

Hier möchte ich meine Ausführungen beenden und Sie voller Vertrauen Erik Orsenna überlassen, dessen literarische Kleinodien zum Thema „Gitarre“ im Verlagsprogramm des dtv-Verlages zu finden sind.

Ich wünsche allen Interessierten an meiner Homepage einen schönen Sommer und einen Urlaub mit viel Leselust. Vielleicht haben Sie dann im Herbst auch selbst den inneren Drang, mit dem Gitarrenspiel zu beginnen. Wenn Sie möchten, helfe ich Ihnen dabei.

Herzliche Grüße

Peter- Christian Reimers