Jahreswechsel 2015/2016

20. Dezember 2015

Nachdem zur Zeit und auch in naher Zukunft keine außergewöhnlichen Ereignisse im Zusammenhang mit der Gitarre bevorstehen, möchte ich heute ausnahmsweise über meine eigene Arbeit berichten.

Es ist nicht die eines konzertierenden Künstlers, sondern die eines lehrenden und vermittelnden Musikers. Mein eigenes Musizieren als Gitarrenlehrer besteht zunächst aus einem täglichen einstündigen Technik- Training, mit dem ich versuche, meine Fingerfertigkeit am Instrument zu erhalten und nach Möglichkeit, über einen langen Zeitraum betrachtet, noch zu steigern. Dieses Üben ist für mich so etwas wie eine meditative Übung, bei der ich mich intensiv konzentriere und auf die ich auch in der beginnenden weihnachtlichen Ferienzeit keinesfalls verzichten möchte.

Weiterhin beschäftige ich mich mit Vortragsstücken, die ich im Moment mit Schülern erarbeite oder in der nächsten Zeit erarbeiten möchte. Gegenwärtig ist dies z.B. die              „ Pauana alla Veneciana“ von Hans Judenkünig aus seiner Lautenschule von 1523, an der mich die tänzerisch, leichtfüßig daherkommende Melodie sowie die harmonische ungewöhnlichen Momente begeistern, die sich aus seiner noch nicht vollzogenen Abkehr von den alten Kirchentonarten ergeben: für unsere „Dur-Moll- Ohren“ erstaunliche Klänge.

Auch J.S.Bach habe ich nach vielen Jahren erstmals wieder in den Fingern. Seine Bouree aus der Suite in e-Moll BWV 996, die sehr wahrscheinlich für Lautenklavier komponiert wurde, gehört technisch zu den einfacheren Bach-Werken, hat aber alles, was die bachsche Musik ausmacht. Neben einer eingängigen, mitreißenden Melodik einen wunderbar geführten Kontrapunkt in der Bassstimme und sich ständig steigernden harmonischen Reichtum. Ein Stück, das mich, wenn es so richtig läuft, begeistert. Herrliche Musik!

Daneben wird mich der für alle Gitarristen unentbehrliche Fernando Sor in den Ferien begleiten, sowohl mit seiner gediegenen Handwerkskunst als auch den immer wiederkehrenden, kleinen harmonischen und melodischen Überraschungen. Einige seiner Etüden sind meisterhaft gestaltete musikalische Miniaturen.

Ähnliches gilt auch für Francisco Tarrega, der mit seinem Präludium Nr. 4 in E-Dur ein wundervolles Kabinettstückchen komponiert hat, welches deutliche Merkmale der Romantik aufweist und die klanglichen Möglichkeiten der Gitarre beispielhaft deutlich macht.

Zum Schluss wird mich noch ein anderer Komponist beschäftigen, der sogar vielen Gitarristen unbekannt ist: Pierre Lerich hat mit seiner „Introduction et Serenade pour Django“ ein anspruchsvolles Werk geschaffen, das den Spieler oder Hörer nach einer liedhaften Einleitung mit einem tänzerischen und jazzigen Stück voller Lebensfreude unterhält , welches uns in die Jazz- Welt Django Reinhardts entführt.

Meine Freude auf diese Musikstücke wächst beim Schreiben dieser Zeilen und ich möchte auch Sie ermuntern, wenn Sie schon ein Instrument spielen, die hoffentlich stressfreie Weihnachtszeit zu nutzen, um Stücke hervorzuholen, an denen Sie sich schon früher erfreut haben, um diese erneut zum Leben zu erwecken und sie zu genießen.

Wenn Sie noch kein Instrument spielen, kann jetzt der Moment sein zu überlegen, ob Sie sich nicht im nächsten Jahr zusammen mit einem kompetenten Lehrer auf den Weg machen wollen.

Mit einem Musikinstrument können Sie Ihr Leben um glückliche Augenblicke bereichern. Versuchen Sie es!

Ein gesegnetes Weihnachtsfest 2015 und einen guten Rutsch ins Jahr 2016

Peter-Christian Reimers