"Vielsaitigkeit"

29. April 2019

Das Repertoire der Konzertgitarre besteht, wenn man es genau betrachtet, nicht nur aus der Musik, die für unser modernes Instrument geschrieben wurde. Die Konzertgitarre in der heutigen Form gibt es erst seit dem Ende des 19. Jahrhunderts.

Manche halten es für richtig, sich als auf das Spielen der Musik seit dieser Zeit zu beschränken, denn vorher gab es unser Instrument ja nicht. Betrachtet man die Sache so, müsste man auf den Vortrag der gesamten klassischen und barocken Musik sowie auf die riesige Anzahl von Werken der Renaissancemusik für die verschiedenen Zupfinstrumente dieser Zeit komplett verzichten.

Für mich ist dieses eine inakzeptable Vorstellung. Mir ist bei der Interpretation die klare Darstellung des inneren Gehalts der Musik wichtig und nicht so sehr die originale Klangfarbe, der man mit der Wiedergabe auf Originalinstrumenten natürlich näherkommen kann.

Die Musik für die mit der heutigen Konzertgitarre verwandten Instrumente, wie etwa die Gitarre der Biedermeierzeit, die Barockgitarre, die Barock- und Renaissance-Laute sowie die spanische Vihuela gehört meiner Meinung nach selbstverständlich zum Gitarrenrepertoire.

Mein persönlicher Kompromiss besteht darin, dass ich den originalen Notentext möglichst vollständig auf unserem Instrument wiedergeben möchte und versuche, keine Veränderungen daran vorzunehmen. Um dem originalen Klangcharakter der jeweiligen Musikepochen zu entsprechen und diese unterscheidbar zu machen, bin ich bestrebt, die stilistischen Besonderheiten jeder Zeit deutlich herauszuarbeiten. Aus diesem Grunde verwende ich für die Darstellung von Stücken für die Barocklaute eine Gitarre mit elf Saiten, die es mir ermöglicht, die tiefen Bässe dieser Werke wiederzugeben. Vihuelaliteratur und Musik für die Renaissancelaute spiele und unterrichte ich mit einer Technik, welche weitgehend der Lautentechnik gleicht, um auch so dem Klang der Laute nahezukommen. Das Spiel nach der ursprünglichen Notation, der Tabulatur, gehört für mich ebenfalls dazu, denn aus dieser kann man auf den originalen Fingersatz schließen. Auch dieses führt zu einem Klangbild, welches dem der Lauteninstrumente sehr ähnlich ist.

Wer allerdings kompromisslos den echten Klang der genannten historischen Instrumente hören möchte, wird nicht darum herumkommen, diese zu spielen.

Einen, der diesen Weg eingeschlagen hat, können wir bald in zwei Konzerten in unserer Nähe erleben:

Christian Zimmermann ist 1954 im Breisgau geboren, hat sein Gitarrenstudium bei Mario Sicca in Karlsruhe abgeschlossen und später bei Michael Schäffer und Eugen Dombois, zwei herausragenden Meistern ihres Fachs, das Spiel der Barocklaute erlernt. Zusätzlich wandte er sich der Barockgitarre, der Vihuela und dem Chitarrone zu. Auf seiner Website gibt es in der Rubrik Audio/ Video/ CDs reichlich Gelegenheit, sich von seiner Vielseitigkeit einen Eindruck zu verschaffen.

Auch wenn ich selbst nicht diesen Weg gehe, bin ich sehr dankbar, wenn es möglich ist, die Literatur dieser verschiedenen Musikstile und -epochen auf einem Originalinstrument zu hören. Für die eigene Interpretation, auch auf der modernen Gitarre, kann dies sehr hilfreich sein.

Am Samstag, den 11.5.2019 gastiert Christian Zimmermann in Althornbach (in der Nähe von Zweibrücken), um 16.00 Uhr im Gewölbekeller (Parkplätze hinter dem Bürgerhaus).

 

Außerdem konzertiert er am 19.5.2019 im Rathaussaal in Tholey um 18.00 Uhr.

In beiden Konzerten wird er die Barocklaute und die Barockgitarre spielen. Ich wünsche Ihnen viel Freude beim Genuss dieser außergewönlichen Klänge.

 

www.christianzimmermannlaute.de